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«Schein hat mehr Buchstaben als Sein» steht am unteren Rand meiner auf der heutigen Tagesseite, 10. August 2006, aufgeschlagenen Agenda. Autor ist der Wiener Publizist, Satiriker, Aphoristiker, Dramatiker Karl Kraus (1874–1936). Seine Feststellung provoziert die Frage, die wir beantworten sollen, ob der Schein nicht nur von der Buchstabenquantität her einen Vorrang gegenüber dem Sein hat.
Schein und Sein, das Vordergründige und das Hintergründige, das Sichtbare und Versteckte, das Evidente und das Mysteriöse – das sind Themen, die auch Verena Vanoli seit Jahren beschäftigen. Auch eine ihrer neusten Arbeiten, «sackstark» situiert sich in diesem Inhaltskomplex. Wer sich dieser Arbeit nähert, sieht ein etwa 1 Kubikmeter grosses, an der Decke aufgehängtes, länglich rundes Gebilde, das man mit einer Abbruchbirne in Verbindung bringen könnte, jenen Eisen- körpern, die an einem Baggerarm pendelnd, Mauern zum Einsturz bringen. Die erste Assoziation führt in die Irre. Denn nicht mit einem Körper aus hartem Metall haben wir es zu tun, sondern mit einem mit Gummi ummantelten. Aha, ein Punchingball für Kickboxer! Die Gedankenverbindungen bleiben also im Bereich des Aggressiven. Sie werden unterstützt durch die ausnahmsweise alles andere als kunstvolle Fixierung der schwarzen Gummischläuche. Dieses Werk erweckt den Eindruck, als sei nach einer gewalttätigen Manipulation der Mantel behelfsmässig wieder angebracht worden.
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